Teotihuacan bis Belize
Wir fuhren weit, da wir möglichst bald nach Palenque und dann nach Yucatan gelangen wollten, damit wir unseren Zeitplan einhalten konnten. Nun passierte uns zum ersten Mal, dass wir am geplanten Ort nicht übernachten konnten, da es gemäss Angaben der Betreiber des Flussbades zu gefährlich sei. Bis wir einen sicheren Platz fanden, mussten wir recht weit fahren, was sich aber als Glücksfall erwies, denn beim nächsten Campingplatz trafen wir Ralph. Ralph war mit seinem Land Cruiser auf einer Tour von den USA über Mexiko und Belize nach Guatemala und zurück. Da wir uns gut verstanden, beschlossen wir, einige Tage gemeinsam zu reisen. Unser erster Stopp führte uns nach Palenque, einer wunderbaren Ruinenstadt im Dschungel.



Beim Spaziergang durch den Dschungel kamen wir zufälligerweise mit einem Touristenführer aus einem Maya-Dorf ins Gespräch, der uns von einem Besuch im touristischen Agua Azul abriet und uns eine weniger bekannte Alternative vorschlug, welche wir noch am gleichen Tag besuchten – und dann dort einen weiteren Tag blieben, weil es so schön war! Wieso auch weiterfahren, wenn man stattdessen Brot backen, die Wärme geniessen und sich in kitschig-schönen Wasserbecken abkühlen kann? Klein-Dröhnchen musste sich nach diesem Auflug allerdings drei Tage in Reis erholen – es war von seiner Badeaktion nicht so begeistert...



Voller Vorfreude kamen wir wenige Tage später in Calakmul, einer weiteren berühmten Ruinenstadt an – und erfuhren, dass die gesamte Gegend montags geschlossen war. Da es noch früh am Morgen war, beschlossen wir schweren Herzens, weiterzuziehen, da wir in der Umgebung schlicht nichts weiteres zu tun fanden. Wir trösteten uns mit den Ruinen von Kohunlich, wo wir fast die einzigen Besucher waren und sogar eine süsse, kleine Schlange hallo sagen kam.



Nachdem Calakmul ja bereits geschlossen war, zog der von uns ausgesuchte Campingplatz nach und war für nicht-Profibiologen (leider auch für Biologielehrer) geschlossen, sodass wir auf einen weniger hübschen, dafür teureren Platz ausweichen mussten. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns dort von Ralph und fuhren nach Tulum, wo wir neue Reifen montieren liessen (Mudterrain, da die Regensaison in Zentralamerika vor der Tür stand) und dann in den beiden berühmten Cenoten Dos Ojos und El Pit tauchen konnten.




Nach einem Umweg nach Playa Del Carmen, wo Marc seinen Tauchcomputer abgab, um eine neue Batterie eingesetzt zu bekommen, und wir einen Ölwechsel durchführen liessen, verbrachten wir drei Nächte an einer verlassenen Cenote, wo wir drei Tage lang völlig alleine waren und schwimmen, tauchen, backen und viel lesen konnten... Die einzigen Besucher waren die vielen, bunten Vögel, eine sehr scheue Schlange, ein uns mit Dreck und Steinchen bewerfender Leguan und abends, in der Dämmerung, ungefähr 60 Fledermäuse, die sich in den Baumkronen an den Früchten gütlich taten.



Auf dem Weg zurück nach Playa Del Carmen hielten wir in Kantemó, wo wir die Cave of Hanging Snakes besichtigten. Bei dieser Tour konnten wir in eine sorgfältig naturbelassene Grotte steigen und dort vier Fledermausarten und drei endemische, an die Dunkelheit angepasste Wassertierarten bewundern. Der Höhepunkt der Führung waren die Boas, welche, aus Löchern in den Decken und Wänden hängend, die Fledermäuse fangen und fressen.





Da nun unsere Zeit in Mexiko zu Ende war, deckten wir uns mit Lebensmitteln ein, liessen unser Biest waschen (die beiden Jungs leisteten sehr gute Arbeit – bei uns wurde das Auto nie so sauber), füllten den Dieseltank und fuhren nach Belize.
Tequila bis Teotihuacan
Die Führung durch die Distillerie Casa Puntual war grossartig. Wir durften die Felder mit den verschieden alten Agaven besichtigen, selber eine Babyagave ausgraben, den Herstellungsprozess nachvollziehen, die Geschichte hinter Tequila erfahren, vier Varianten in grosszügigen Mengen kosten und alle unsere Fragen stellen. Alles kann ich hier natürlich nicht erwähnen, das wäre wahrscheinlich ohne den Besuch langweilig, aber einige Details finde ich bemerkenswert:
-
Grosskonzerne, welche chemische Düngemittel verwenden, ernten die Agaven bereits nach drei bis vier Jahren; José erst nach sieben oder gar neun.
-
Grosskonzerne, welche chemische Zusatzstoffe benutzen, gären den Tequila ungefähr vier Stunden; José ganze sieben Tage.
-
Der Vulkangott der Ureinwohner hiess Teoquila. Dieses Volk kochte und ass Agavenherzen. Erst die Spanier machten daraus ein Getränk.


Wie von José versprochen konnten wir am nächsten Tag ganz ohne Kater Annis frisches Brot geniessen, uns über die Hühner in der Gemeinschaftsküche lustig machen und in den Agavenfeldern das erste mal das rote Kleid nutzen, welches wir bereits sieben Monate ungenutzt mitfuhren.




Dann gingen wir die Stadt erkunden. Wir spazierten mit Anni, Bene und Caroline durch die Gassen, machten Fotos, staunten und probierten in Mexiko beliebte Getränke. Während das Städtlein sehr empfehlenswert ist, wünschen wir uns von allen, die einen Michelada probieren, ein kleines Video davon. Standbilder aus dem unseren findet ihr hier...



INSTANT REGRET
Obwohl die Sandfliegenbisse bereits mehrere Tage alt waren, sprangen wir alle mehrmals in den kalten Pool – nicht, weil uns zu warm war, sondern, weil mit der Kälte der Juckreiz gelindert wurde, zumindest für kurze Zeit. So fuhren wir nach unserer zweiten Nacht bei José noch etwas feucht vom Pool, aber ohne komplett durchzudrehen, nach Guanajuato. Diese alte Silberminenstadt ist steil, bunt, laut und äusserst besuchenswert. Vor und nach dem Stadtausflug erledigten wir Unterhaltsarbeiten am Biest, an uns und an unseren Kleidern.


Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel fuhren wir eine «Abkürzung». Während wir zwar ohne Allrad durchkamen, war die Untersetzung manchmal ganz praktisch und die Schlammdurchfahrten waren für uns und natürlich unser Biest ein Spass.
Der Übernachtungsplatz auf einer Wiese war grossartig: Zur Akklimatisierung passend auf 3200 m.ü.M. gelegen, ruhig und voller hübscher Natur. Hier trafen wir einige weitere Reisenden, welche uns die im Bach lebenden Axolotls zeigten.
Tags darauf wanderten wir hinauf zur Kolonie der Monarchfalter. Überwältigt von der Menge, Schönheit und Eleganz der Tiere verbrachten wir mehrere Stunden einfach nur mit Staunen und Fotografieren. Danach beobachteten wir einige Einheimische, die mit ihren Pferden quer über die Wiese Wettrennen veranstalteten.



Da wir uns nun schon ein wenig an die Höhe gewöhnen konnten, fuhren wir zum nächsten Ziel, dem Nevado de Toluca. Übernachten konnten wir beim Base Camp auf 3700 m.ü.M., sodass Marc, Anni und Bene «nur» noch 1100 Höhenmeter auf den Gipfel wandern mussten, während ich mit den Benzinkochern und dem Omnia kämpfte (die Höhe setzte dem ganzen Prozess zu). Kaum waren die Bergsteiger, welche ganz im Gegensatz zu den in Daunen gehüllten und mit Steigeisen und Helmen ausgestatteten Mexikanern die Wanderung in Shorts und Sonnenhut überstanden, zurück, mussten Marc und Bene noch das Moped zweier Locals aus einem Bachbett bergen.Um die erfolgreiche Wanderung und Rettung zu feiern, genossen wir abends einen Glühwein, der aufgrund der hier viel tieferen Temperaturen besser zu passen schien, als dies an Weihnachten in der Baja der Fall war.


Der nächste Stopp war Mexiko-Stadt, beziehungsweise das sozusagen in der Stadt gelegene Teotihuacan. Hier konnten wir in Gehdistanz zur berühmten Sonnenpyramide campieren und die Ausgrabungsstätten geniessen.



Als wir tags darauf bereit für die Abfahrt waren, erfuhren wir, dass in ganz Mexiko-Stadt ein Fahrverbot für Privatfahrzeuge erlassen wurde. Als offiziellen Grund angegeben wurden massiv erhöhte Abgaswerte, jedoch vermuten wir, dass es sich um politische Machtspiele handeln könnte... So legten wir einen sehr gemütlichen, ruhigen Tag ein und hatten, sozusagen als Entschädigung, frühmorgens eine grossartige Stimmung, als die vielen Heissluftbalone über uns hinwegflogen. Als wir dann doch weiterreisen durften, mussten wir uns (hoffentlich temporär) von Anni und Bene verabschieden. Zum Abschied erhielt ich von Anni einen Teil ihres Sauerteigstarters – eine Verantwortung, die mir grosse Angst machte!



La Paz bis Tequila
Nachdem wir uns schweren Herzens von unseren Lieblingslitauern Jolanta und Edgaras verabschiedet hatten, trösteten Anni, Bene, Lisa und wir uns gegenseitig, indem wir ein Abendessen aus Ceviche, Curry und Käsespätzle machten. Und da wir uns so sehr über das leckere Essen freuten, gingen wir am nächsten Morgen nochmals zur Bäckerei um die Ecke und verwöhnten uns mit süssem Brunch.


Da die Batterien, welche wir bei unserem letzten Aufenthalt in La Paz ersetzt hatten, noch immer nicht richtig funktionierten, brachten wir sie zurück und liessen sie austauschen, da mindestens eine davon schon defekt verkauft worden war. Wir ignorierten, dass die zurückgegebenen Batterien wieder direkt zurück ins Regal gestellt wurden. Bei der Montage, die Marc selber machte, riss leider ein bereits in Mitleidenschaft gezogenes Kabel endgültig aus. Glücklicherweise standen wir noch auf dem Parkplatz vor dem Geschäft und konnten einen Ersatz kaufen. Beim Anziehen der letzten Schraube brach dann die Klemme, worauf wir auch diese ersetzen mussten. Aber dann funktionierte alles!




Für die letzte Nacht vor der Fährüberfahrt nach Festlandmexiko fuhren wir nochmals nach El Tecolote, da dies näher am Fährhafen war. Der Wind blies uns zwar massenhaft Sand in die Augen und in die frisch gewaschenen Haare, aber wir konnten in aller Ruhe umpacken und uns auf alle Eventualitäten auf der Fähre vorbereiten. Zu unserer grossen Freude fuhren Anni und Bene mit demselben Boot wie wir. Trotz aller Räubergeschichten, die man online so finden kann, war das ganze Prozedere und die Fahrt kein Problem. Wir mussten zwar etwas warten und fuhren etwas später als geplant ab, aber es verlief alles ohne Zwischenfälle und da wir aufs Oberdeck gelotst wurden und nicht neben dem Lastwagen mit den Ziegen standen, konnten wir uns in der Nacht vom Schaukeln des Schiffs in den Schlaf wiegen lassen, während das Dröhnen der Schiffs- und Lastwagenmotoren ein monotones Hintergrundgeräusch bildeten.






Als wir in Mazatlán ankamen, gingen wir einkaufen, tankten Diesel und Wasser und fuhren dann nach Playa las Tortugas. Da wir nicht mit der Verspätung der Fähre gerechnet hatten, brachen wir gleich die erste Regel, welche wir uns für das Reisen auf dem Festland vorgenommen hatten, und fuhren eineinhalb Stunden in die Dunkelheit. Wir fühlten uns allerdings durchgehend sicher und kamen unversehrt an. Am nächsten Morgen verstanden wir, weshalb der Strand eigentlich Playa Jejenes, also Strand der Sandfliegen, heisst. Da wir aber mit DEET ausgestattet waren, genossen wir den Strand mit seinen Kokospalmen für einen ganzen Tag (Valentinstag), badeten im Meer (wir erfuhren erst später, dass es in der Lagune hinter dem Strand manchmal Krokodile hat), backten, machten Yoga, sammelten und schlachteten Kokosnüsse und genossen ganz allgemein einen ruhigen Tag (die Bisse der Sandfliegen begannen erst am nächsten Tag so richtig zu jucken).







Am zweiten Morgen am Playa Jejenes war die Plage der Sandfliegen aber so schlimm, dass wir sogar fast eine Stunde früher als geplant weiter. Unterwegs wechselte die Landschaft von Kokosplantagen über Bananenplantagen zu Agavenfeldern, je weiter wir in die Berge fuhren. Mittags erreichten wir den Vulkan Ceboruco, wo wir eine Wanderung um den Krater machten. Die Aussicht war... naja. Die Wanderung allerdings machte uns Spass: Wir suchten uns den Weg durch den Nebel, verirrten uns ein wenig und trafen sehr erstaunt wirkende Kühe. Etwas unterhalb des Wanderwegs befindet sich ein Gratis-Campground mit wunderbarer Aussicht und überdachten Tischen. Beim Eingang des Camps ist der Vulkan noch ein wenig aktiv, sodass Dampf vom Boden aufsteigt. Nachdem wiri nun sechs Wochen warme Temperaturen geniessen konnten, empfanden wir die 12-15°C als kalt und blieben nicht lange auf...




Bei Regen fuhren wir tags darauf nach Tequila (ja, das ist eine Stadt), wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen würden. Eine kleine Distillerie bietet Campern für einen fairen Preis Führung, Degustation und Übernachtung – mit WC, Dusche, Küche, Pool und Waschmaschine!
Rancho San Dionisio bis La Paz
Nachdem wir einige Abende auf der Rancho mit Anni, Bene, Jolanta und Edgaras verbracht hatten und als Abschluss ein gemeinsames Festessen genossen, zu welchem jeder etwas Leckeres beisteuerte, verabschiedeten wir uns (zwischenzeitlich) und fuhren wieder an die Küste.



Etwas südlich von Cabo Pulmo konnten wir sehr entspannt am Strand campieren. Leider waren Wind und Wellen zu stark, um sich ins Meer zu wagen, aber sogar wenn wir nicht im Wasser waren, bescherte uns die Natur ein Schauspiel, indem sie Buckelwale vor dem Strand springen und spielen liess.




Eine Bucht weiter nördlich trafen wir wieder auf Charlie und Christen. Wieder blieben wir ein wenig hängen, da wir an diesem Strand schnorcheln konnten – unsere Freunde mussten leider tagsüber arbeiten – und jeweils am Abend gemeinsam essen und den Tag ausklingen lassen konnten. Ich schmolz beim Zopfbacken die zweite (und letzte) Silikonform des Omnias und wurde von der Meeresfauna in Form von sechs Adelrrochen getröstet – natürlich bei dem Schnorchelausflug, als ich die GoPro nicht dabei hatte!


Auf dem Weg nach Norden zu einer Offroad-Route dem Meer entlang hielten wir in El Arbolito, wo wir mit Meeresschildkröten schnorchelten und die kalte Dusche nutzten.



Auf der Strecke von Los Barriles nach La Ventana wollten wir an einem ruhigen Strand übernachten. Da wir den Vorsatz hatten, früh genug am Camp anzukommen, fuhren wir uns natürlich gleich am ersten Campspot im weichen Sand fest. Glücklicherweise hatte Marc die Voraussicht, den Reifendruck hoch zu lassen, sodass wir, nachdem wir etwas Luft abgelassen hatten, mehr oder weniger problemlos wieder herausfahren konnten. Schlussendlich fanden wir einen abgelegenen, aber öffentlichen Strand, an welchem wir mit zwei anderen Overlandern übernachten konnten.



Am nächsten Morgen versuchten wir an mehreren Stränden unterwegs, unseren Tiefkühler mit Fisch aufzufüllen. Marc schwamm dafür mit der Harpune raus, während ich mit der Fischerrute am Strand hantierte. Leider waren wir beide erfolglos, wobei Marc im trüben Wasser von einem Schwertfisch überrascht und etwas eingeschüchtert wurde. Am Ende der Offroad-Strecke fuhren wir nochmals ins Restaurant in Ensenada de Muertos, wo wir einen kleinen Snack wollten und Nachos bestellten – und eine Mahlzeit erhielten, die uns beide für über zwölf Stunden sättigte. In der Annahme, dass es bei Punta Arena mehr Fische hätte, fuhren wir an diesem Abend noch dort hin. Während die Aussicht sehr hübsch war, hatte es leider kaum Fische, worauf wir am nächsten Morgen nochmals nach Ensenada de Muertos fuhren, wo Marc mit dem Speer erfolgreicher war und ich mich über Pancakes freute.






Der nächste Programmpunkt unserer Reise war das Vanlife-Festival am Strand von El Tecolote. Glücklicherweise hatten Anni und Bene mit ihren (bald auch unseren) Freunden Lisa, Patrick und Timo schon einen Platz gefunden und uns einen Platz reserviert, sodass wir uns einfach dazugesellen konnten und das Festival mit den Konzerten, Ständen und Aktivitäten wie Nomaden-Speeddating, Overlander-Olympiade oder Feuer-Jonglieren geniessen konnten. Während die Musik die ganze Nacht andauerte, konnten wir an den ruhigen Tagen beim Schnorcheln verschiedene Rochen, gut getarnte Fische und Unterwasser-Schnecken begutachten. Marc harpunierte an einem Tag sogar fünf Fische!



Einen Tagesausflug machten wir durch ein Tauchzentrum zur grössten Seelöwenkolonie der Region, wo mehrere Hundert Seelöwen auf einer felsigen Insel leben und sich so sicher fühlen, dass sie mit den menschlichen Besuchern spielen und an deren Tauchausrüstung knabbern. Und da zwei Tauchgänge mit Seelöwen nicht episch genug waren, besuchten uns unterwegs noch zwei kleine Delfingruppen.




Tags darauf schnorchelten wir mit unserer Campingclique mit einem jungen Walhai. Dabei heisst jung, dass er nur zehn Meter lang war und seine Schwanzflosse definitiv höher war als ich inklusive meiner Flossen. Dennoch war die Begegnung unglaublich friedlich und natürlich eindrücklich. Der Hai sah so gemütlich aus und schien sich kaum zu bewegen, aber dennoch konnten wir kaum mithalten!







Nachdem wir beim sechsten Anlauf, der dritten Telefonnummer, der zweiten Emailadresse und dem zweiten Bürogebäude die Fähre nach Festlandmexiko reservieren konnten (bloss einige Tage später als geplant), fuhren wir zu Jolanta und Edgaras, die am Strand von El Muertito einen traumhaften Übernachtungsplatz gefunden hatten, den sie mit uns teilten. Während unsere Fischversuche an schlechter Sicht scheiterten, genossen wir die Zeit mit den beiden Litauern umso mehr.
Da die letzte Dusche nun doch schon wieder sieben Tage zurücklag und sich in meinen Haaren vom vielen Meerwasser schon fast eine eigene Saline gebildet hatte, fuhren wir zu viert nach La Paz, wo wir gerade noch so auf denselben kleinen Campingplatz passten wie unsere deutsche Clique. Zufälligerweise begann da gerade der Karneval von La Paz, den wir natürlich besuchten. Es hatte viele Verkaufsstände, Essens- und Getränkebuden und Konzerte sowie Shows von lokalen Tanzschulen. Wie allerdings die Lautstärke ohne Oropax ausgehalten werden kann, werde ich wohl nie verstehen... Da das Wetter für die nächsten Tage etwas unsicher schien und wir noch einige Dinge zu erledigen hatten, blieben wir eine weitere Nacht in La Paz.



Ciudad Constitución bis Rancho San Dionisio
Auf dem Weg zurück zur Hauptstrasse sahen wir einen in Mexiko lebenden Franzosen, Greg, dessen Auto dank der Wellblechpisten in den Notfallmodus geschaltet hatte. So konnte er kaum noch 10 km/h fahren. Wir schleppten ihn zurück in die Zivilisation ab und sprachen dabei übers Tauchen und Schnorcheln. Er plante einen Tagesausflug in der Nähe von La Ventana und lud uns ein, ihn dabei zu begleiten. Selbstverständlich sagten wir zu, und blieben über die nächsten Tage in Kontakt, um alles zu organisieren.
Tatsächlich hatte es in La Paz alles, was wir brauchten: eine Wäscherei, eine extrem uneuropäische, auf Achsen spezialisierte Werkstatt, welche zufälligerweise ein Dichtungs-Dingsbums (ich weiss nicht viel über Autos) für unser Biest hatte, und drei Läden, welche Autobatterien verkauften. Unglücklicherweise waren keine der Batterien mit für uns sinnvollen Informationen versehen, sodass wir schlussendlich nach über fünf Stunden einfach zwei kauften, welche passten. Wir wussten (wissen) aber nicht, wie stark sie waren. Hauptsache, wir hatten wieder solche, welche die Kühlbox über Nacht am Laufen hielten...



Schon bald war es so weit und wir trafen Greg, welcher zu spät kam, da sein Auto schon wieder nicht richtig funktionieren wollte, und den Kapitän, der früher Haifischer war, bei Ensenada de Muertos. Schon nach wenigen Minuten auf dem Boot sahen wir Mobulas aus dem Wasser springen. Kurz darauf konnten wir schon mit ihnen schnorchlen.



Als wir die Rochen gebührend in die Flucht geschlagen hatten, fuhr uns der Kapitän zu einer Seelöwenkolonie. Unterwegs sahen wir einen sich ausruhenden gestreiften Marlin, der sich, anders als die scheuen Mobulas, überhaupt nicht von uns stören liess. Die Seelöwen hingegen waren ausgesprochen neugierig und kamen uns anschauen, während wir, beeindruckt von ihrer Grösse und Masse, etwas schüchtern zurückguckten.



Auf dem Rückweg kamen dann die Buckelwale dazu. Sie sprangen, zeigten stolz ihre Schwanzflosse und liessen sich von uns grundsätzlich nicht stören. Einmal waren wir in der schrecklichen Situation, dass vor uns die Wale und hinter uns die Rochen sprangen. Wo soll man denn da hingucken?






Da der Tag noch nicht grossartig genug war, lud uns Greg danach auf ein leckeres Abendessen ein. Danach gingen wir recht rasch ins Bett. Einerseits waren wir müde, andererseits wussten wir, dass wir am nächsten Tag früh los und nach Todos Santos fahren wollten. Als wir dann ankamen, merkten wir, dass wir etwas zu früh waren – die Schildkröten würden erst bei Sonnenuntergang ausgesetzt. Da wir somit zu viel Zeit hatten, suchten wir uns einen Übernachtungsplatz für später, spazierten durch die Stadt und sahen uns die coole lokale Kunst und viel Touristen-Kitsch an und assen ein sehr leckeres, wenn auch rasch flüssiges Eis. Bei Sonnenuntergang erklärten uns die freiwilligen Helfer am Strand, wie ihre Schildkröten-Rettungsaktion funktionierte und wir schauten den winzigen Tierchen zu, wie sie sich in die meterhohen Wellen kämpften.



An diesem Abend trafen wir nochmals Charlie und Christen, mit denen wir bereits einen tollen Abend verbracht und einen Franzosen gerettet hatten. Die spannenden Gespräche wurden von Livemusik, Bier und Mezcalita begleitet – einfach wunderbar!
Schon bald mussten wir in Cabo San Lucas erscheinen, da wir dort einen Freedive-Kurs gebucht hatten. Im Kurs inbegriffen war auch die Unterkunft, welche über einen sehr hübschen Garten, einen Pool, eine grosszügige Terrasse, gemütliche Gemeinschaftsräume und heisse Duschen verfügte. Die nächsten zwei Tage wurden von den Kurselementen gefüllt – Theorie, Tauchen im Meer (mit Seelöwen als Zuschauer), Tauchen im Pool (mit älteren Mexikanerinnen als Zuschauer), nochmals im Meer... Und trotz grosser Zweifel meinerseits, ob ich das wirklich schaffen kann, erreichten wir alle vorgeschriebenen Ziele des Kurses und tauchten am Ende sogar auf 17 statt 12 Meter! Zwischen den Kursen konnten wir Zeit mit anderen Gästen der Tauchbasis verbringen und ihre spannenden Geschichten hören.






Nach dem letzten Kurs-Tauchgang machten wir gleich mit einem Speerfischen-Ausflug weiter. Leider machten da meine Stirn- und Nebenhöhlen nicht mehr so gut mit, aber Marc erwischte drei grosse Fische. Noch auf dem Boot wurde für uns Ceviche zubereitet, welches wir genossen, während wir wieder Buckelwalen zuschauten. Insgesamt sahen wir bei diesem Ausflug 25 Buckelwale, drei davon noch ganz kleine Jungtiere!


Nach dem Lärm und der Menschenmenge in der Stadt flohen wir auf die Rancho San Dionisio. Dieser Campingplatz ist wohl das am schlechtesten gehütete Geheimnis von Baja California. Am Ende einer Landstrasse, inmitten bewaldeter Hügel, mit einer schönen Gemeinschaftsküche, frischen Früchten, Gemüse und Kräutern, mit netten Gleichgesinnten und als Ausgangsort für hübsche Wanderungen war dieser Ort eine Oase der Erholung.


Ejido San Lucas bis Ciudad Constitución
Nachdem wir uns schweren Herzens von Ellie verabschiedet hatten, fuhren wir ein kurzes Stück nach Playa El Requesón. Obwohl der Campingplatz dank des Internets und nicht zuletzt dank Instagram unter Baja-Reisenden sehr bekannt ist, konnten wir unser Biest an der Spitze des Strandes platzieren, was grossartig aussieht, ein wenig mehr Privatsphäre sichert und mich dank der lauten Wellen nachts etwas Schlaf kostete. Wir beobachteten Pelikane, paddelten mit einem Mietkajak um die kleine Insel und genossen die Sonne.




Beim Lebensmitteleinkauf in Loreto trafen wir weitere Reisende. Ja, es scheint, als wäre Baja California Sur nur so gefüllt mit Campenden. Da man sich bekanntlich in Gruppen sicherer fühlt, beschlossen wir, mit einem sympathischen, amerikanischen Paar gemeinsam zu übernachten. Die Stunden waren gefüllt mit spannenden Gesprächen, leckerstem Essen und einer Rettungsaktion, wobei wir nicht nur Schaufel und Sandbleche, sondern auch die Winde auspacken konnten. Halt eben ein gelungener Abend!



Nach einem Abstecher nach Puerto Agua Verde, wo wir uns aber das Übernachten nicht so recht vorstellen konnten, fanden wir einen abgelegenen Strand, an welchem sich nur zwei andere Fahrzeuge befanden. Mit den Paaren, denen sie gehörten, freundeten wir uns schnell an und statt einer verbrachten wir dann aus Versehen drei Nächte in diesem Paradies. Die Zeit fliegt halt nur so, wenn man am kleinen Privatriff speerfischen, im Omnia backen, vom Strand aus Delfine beobachten und sich immer wieder in der Sonne von all dem Stress erholen kann...




Leider ging die Zeit im Paradies aufgrund von fehlendem Süsswasser, einer platten Verbraucherbatterie und dem Drang nach frischer Wäsche vorbei. Zu allem Übel kam, dass wir beim Wegfahren bemerkten, dass die Vorderachse Flüssigkeit verlor (was wir sehr gemein fanden, da wir ja schon sehr lange keine Wasserdurchfahrten mehr gemacht hatten und sie deshalb keinerlei Grund dazu hatte). In der Hoffnung, alles Nötige in La Paz zu finden, machten wir uns auf den Weg...
Potrero bis Ejido San Lucas
Am Abend, bevor wir die Grenze nach Mexiko überqueren mussten, da unsere Autoversicherung auslief, trafen wir für eine letzte Nacht in den USA Ellie und ihren Hund Onyx. Glücklicherweise verstanden wir uns auf Anhieb gut und beschlossen, nicht nur die Grenze gemeinsam zu überqueren, sondern auch gleich zusammen den Norden von Baja California zu erkunden. Der Grenzübergang war glücklicherweise eine sehr unspektakuläre und rasche Angelegenheit, worauf wir den Tag nutzten und nach San Felipe fuhren, wo wir für unsere erste Nacht in Mexiko auf einen offiziellen Camping fuhren.
Mexiko erfüllte von Anfang an fast alle unsere Erwartungen. Während wir anfangs Schwierigkeiten hatten, Bargeld abzuheben, und es kaum Natelempfang, geschweige denn eine Internetverbindung, gab, war das Essen grossartig, es gab viele Kojoten, Pelikane, Fischadler und andere Wasservögel, Breitbandantibiotika waren sehr unkompliziert zu erhalten und es gab richtiggehend kitschige Orte, wo man gratis campieren konnte. An einem solchen verbrachten wir Silvester und fanden heraus, dass man mit dem Omnia tolle Pizza-Rollen backen konnte.


Mit Ellie verflog die Zeit nur so. Wir sprachen über alles mögliche, schauten Onyx zu, wie er jeden Moment zu geniessen schien, und waren überrascht, als schon wieder ein Tag um war. Langsam fuhren wir nach Süden, fanden tolle Campspots und lernten andere Reisende kennen. Marc fischte uns einen Teil des Abendessens und einmal sahen wir zwei Feuerbälle durch den Himmel schiessen. Als wir dann wieder Empfang hatten, fanden wir heraus, dass eine SpaceX-Rakete gestartet war und dabei über uns hinweggeflogen war.


Es ging nicht lange, bis wir zum ersten Mal Delfine erspähen konnten. Und innert 26 Stunden konnten wir zuerst Ellie aus dem Sand abschleppen und uns tags darauf von ihr aus dem Sand abschleppen lassen. Wie hilfreich das Reisen zu zweit doch war!


In Bahía de los Angeles (oder auf Englisch Bay of LA) war es eine Nacht so windig, dass wir das Dach nicht aufstellen konnten und im Notbett schlafen mussten. Obwohl Marc kaum Platz für seine Schultern hatte und ich meine Beine auf die Kühlbox hochlagern musste, schliefen wir überraschend gut! Um uns wieder etwas beweglicher zu machen, erklommen wir die Hügel am Ende des Strandes und wurden mit einer wunderbaren Aussicht belohnt.



Auf der Suche nach spannenden Aktivitäten und/oder Windschatten kamen wir immer weiter in den Süden. In der Umgebung von Guerrero Negro gab es zwar hübsche Sanddünen und Naturschutzgebiete für Grauwale, da diese aber noch nicht angekommen waren und viele der möglichen Übernachtungsplätze voller Müll und Scherben waren, zogen wir weiter. Bevor wir uns versahen, befanden wir uns südlich von Santa Rosalía auf einem halbleeren RV-Campingplatz. Nachdem der Versuch einer Wanderung in der Region an sehr agressiven Streunern und Hofhunden scheiterte, bastelten wir an den Autos herum, experimentierten mit dem Omnia und genossen die Zeit zusammen in vollen Zügen.


