2018 - Baltikum
- valeskagehri
- 19. Aug. 2018
- 3 Min. Lesezeit
Schon auf der Hinreise nach Riga haben wir aufgrund von verschiedener Verspätungen Zeit, um ein Spiel zu spielen, mit welchem wir uns während der ganzen Reise oft beschäftigen werden: Jassen! Trotz wenig Schlaf nutzen wir die nächsten zwei Tage, um möglichst viel von Riga zu sehen. Eine Walking Tour führt uns am Markt in den ehemaligen Zeppelin-Hallen vorbei («Uääk, die Fische leben ja noch!») und präsentiert uns «Stalins Geburtstagskuchen», wie die Akademie der Wissenschaften auch genannt wird («Wir wollen einen solchen Regierungssitz, wenn wir unseren eigenen Staat gründen!»).
Auch eine Fahrradtour darf nicht fehlen, auch wenn bei jedem Gefährt irgendetwas fehlt – Gänge, Federn, Schutz vor Vogelkot…
Am dritten Tag fahren wir nach einer Runde Koffer-Tetris los, kaufen eine billige Kühlbox und Verpflegung für die nächsten Tage und können auf dem Weg zum Strand den Wagen eines Einheimischen aus dem Sand ziehen. Nicht schlecht für den ersten Tag unterwegs!
Schon bald finden wir einen weiteren Grund, um das Baltikum zu schätzen: Die Campingspots sind gut ausgerüstet, schön gelegen und gratis. Wir campieren gleich am Meer, sodass wir uns am nächsten Morgen mit einem kalten Bad wecken können. Wir haben gehört und gelesen, dass in der Nähe der Stadt Skrunda eine Geisterstadt liegt, die wir gerne erkunden möchten. Leider ist das Militär dort aktiv und der Lost Place ist geschlossen. Stattdessen geniessen wir den Kundiga-Wasserfall, bis wir von einem Gewitter vertrieben werden und wieder ans Meer zurückkehren, wo wir am Strand den Sonnenuntergang geniessen.
Natürlich darf ein Besuch auf der Kurischen Nehrung bei einer Reise durchs Baltikum nicht fehlen. Trotz der vielen Besucher bleiben wir ein paar Stunden, dann fahren wir zurück und suchen einen Natur-Campingplatz. Da ich eine Migräne habe, kümmern sich die Männer um alles. Als ich einige Stunden später für kleine Mädchen in den Busch verschwinde – noch immer halbblind und mit fürchterlichen Kopfschmerzen – hüpft mir doch tatsächlich ein mittelgrosser Frosch inwendig das Hosenbein herauf. Allgemein sehen wir hier sehr viele Frösche in allen Grössen – natürlich habe ich an den kleinen besonders viel Freude!
Der Berg der Kreuze ist ein eindrücklicher Ort. Das Labyrinth aus zehntausenden von unterschiedlichen Kreuzen stimmt nachdenklich. Die Stimmung ändert aber bald wieder, weil wir am Galapagai-Festival ankommen, einem für litauische Verhältnisse sehr grossen Openair. Das Festgelände ist auf einer Halbinsel in einem malerischen See und die Stimmung sehr freundlich und fröhlich. Verschiedenste Angebote bestehen neben den Konzerten – Velo fahren, Bogenschiessen, Axtwerfen und sogar Wakeboarden. Nur eines trübt unseren Besuch: Unsere Zeltnachbarn sind zwar uns gegenüber freundlich, tragen aber ein Hakenkreuz-Tattoo auf der Brust und als sie nachts zurück ins Bett wanken, tritt mir einer aus Versehen fast auf den Kopf (aufgrund seines Körpergewichtes wäre das für mich schlecht ausgegangen). Um halb vier Uhr morgens packen wir deshalb zusammen und fliehen in den folgenden 18 Stunden bis nach Estland.
Bei einem Versuch, uns im Peipussee frisch zu machen, stossen wir auf viele tote Fische, die aufgrund der hohen Wassertemperatur starben. Wir navigieren um die Fische herum und fühlen uns danach trotzdem etwas sauberer.
Im Nationalpark Lahemaa erkunden wir halb verfallene Häuser und eine verlassene Militärstation und finden einen nahe am Strand gelegenen Übernachtungsplatz, nachdem wir Steintürme bauten. Eine Wanderung entlang des Majakivi-Naturlehrpfades zeigt uns eine wunderbare Landschaft, die wir wärmstens empfehlen können!
Tallin besuchen wir nur kurz, da wir zuvor die Ruhe und Einsamkeit genossen. Am gleichen Tag fahren wir nach Rummu, wo in einem ehemaligen Steinbruch einst ein Gefängnis stand, welches jetzt halb im See versunken ist, sodass man hinschwimmen und daran herumklettern und den Vögeln beim Nisten zuschauen kann. Nachdem wir freundlich fragen, dürfen wir auf dem Gelände, das über Nacht abgeriegelt wird, campieren. Dieser Ort bleibt für uns das beste Erlebnis der gesamten Reise!
Auf der Insel Saaremaa wird für Marc ein Foto-Traum wahr und wir wandern durch Wasser, über Steine, durch Schilf und durch zähen Matsch. Ein grossartiges Erlebnis, das alle Sinne beinhaltet (ja, alle: Geruch von toten Fischen und Geschmack von Mücken und Fliegen zählen auch 😊 )!
Auf der Gauja wollen wir eine kleine Kanutour machen. Wir alle fünf verstehen bei der Buchung, dass es eine 8-km-Tour sei. So bereiten wir uns gemütlich vor, lassen uns flussaufwärts fahren und treiben gemütlich den Fluss hinab. Nach einigen Stunden schauen wir online nach, wo wir nur sind. Erst da finden wir heraus, dass wir beim 25-km-Startpunkt ausgesetzt wurden und nun auf dem sehr langsamen Fluss stark paddeln müssen, um rechtzeitig zurückzukommen.
Vor dem Rückflug verschenken wir einen Teil unseres Camping-Materials an drei junge Holländerinnen, duschen ausgiebig und geben den zuverlässigen Land Cruiser zurück.
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