top of page

San Diego bis Potrero

Nachdem wir die Festtage eher abgeschieden verbracht hatten, wagten wir uns am 26. Dezember wieder in die Zivilisation. In Julian konnten wir einige Stunden lang in der Bibliothek das Wifi nutzen und merkten bald, dass es uns noch immer zu viele Leute hatte. Allerdings hatte es vor einer Bäckerei eine so lange Schlange, dass wir beschlossen, dort am nächsten Morgen nochmals vorbeizuschauen. Und es hat sich gelohnt – die Apple Pie war deliziös!
Da Marcs leider nur in der Schweiz bestellbares neues Kameraobjektiv an diesem Tag geliefert werden sollte, fuhren wir nach El Cajon, wo wir verschiedene Alltagsaufgaben wie waschen und einkaufen erledigten. Obwohl wir uns extra lange die Zeit im Starbucks vertrieben, war das Paket am Abend noch immer nicht angekommen. In der Hoffnung, es bald zu erhalten, blieben wir eine Nacht in der Stadt auf einem hübschen Camping mit einer extrem hohen und aktiven Hasenpopulation. Um 4 Uhr in der Früh begann Marc damit, bei der DHL in Erfahrung zu bringen, warum sein Paket nicht geliefert wurde. Einige Stunden später erfuhr er, dass es beim Zoll feststecke. Da uns kein Abholdatum genannt werden konnte, beschlossen wir, wie geplant nach Mexiko zu fahren und notfalls später nochmals zurück in die USA zu kommen.

Für die Grenzüberrquerung hatten wir uns mit Ellie, einer Solo-Reisenden aus der Schweiz, verabredet. Da wir noch einen Tag zu früh waren, konnten wir Karin und Meinhart kennenlernen und einen wunderbaren, spannenden und lustigen Abend mit ihnen in ihrem bequemen Wohnmobil verbringen.
Am Morgen sprach uns Andy, der Hausdienst des nebenan gelegenen Schulhauses, an. Wir seien ja Camper und bräuchten sicher Wasser. Heute werde der Wassertank ersetzt und er müsse das ganze Wasser in die Kanalisation leiten – ob wir nicht auffüllen wollen? Natürlich liessen wir uns nicht zweimal bitten und durften dabei mehr über das Leben im Landesinneren von Kalifornien lernen.

Da wir noch immer zu viel Zeit hatten, machten wir einen «kleinen» Umweg nach Holtville, wo es öffentliche Hot Springs hat.

Wie man in diesem Abschnitt sieht, vergassen wir vor lauter Aufregung prompt, Fotos zu machen. Das tut uns leid... Aber in Mexiko machen wir sicherlich wieder mehr!

Page bis San Diego

Da wir grosse Freude an Slot Canyons entwickelt hatten, wollten wir den von anderen Reisenden empfohlenen Buckskin Gulch nicht auslassen. Obwohl wir nicht die ganze, zweitätige Wanderung durch mehrere Schluchten absolvieren konnten, spazierten und kletterten wir doch eine beachtliche Strecke und konnten eindrückliche Beweise der Kräfte der Natur sowie einige tolle Petroglyphen bestaunen.

_SMA4500.jpg
_SMA4502.jpg
_SMA4506.jpg
20231211_122234.jpg

Tags darauf fanden wir den bisher eindrücklichsten Übernachtungsplatz (und es scheint zweifelhaft, ob wir je einen eindrücklicheren Ort finden werden). Auf öffentlichem Land gleich neben dem Grand Canyon North Rim Nationalpark gelegen konnten wir bis an den Canyon fahren und dort in ungestörter Einsamkeit übernachten – und mit dem Akkuschrauber Schokoladenmousse machen!

20231212_150532.jpg
20231212_150643.jpg

Nach diesem Zwischenhalt schien der offizielle Grand Canyon nicht mehr ganz so eindrücklich, doch wir besuchten ihn natürlich trotzdem – obwohl wir uns fast mehr über die Dusche und das Wasser freuten als über die Aussichten. Doch die 8 Sternschnuppen, die wir an einem Abend dank der Geminiden beobachten konnten, empfanden wir als sehr romantisch!

Da unser «Rough Tablet», mit welchem wir jeweils navigiert hatten, vom Fahrersitz auf den Boden gesprungen war und danach den Geist aufgegeben hatte, hatten wir einen Ersatz bestellt, der erstaunlich rasch geliefert wurde. Dank General Delivery, womit man in den USA Briefe und Pakete an fast alle Poststellen liefern lassen kann, konnten wir unser neues Gerät, sowie Ersatzpumpen für die Benzinkocher, auf dem Weg nach Las Vegas abholen. Vegas selbst durchfuhren wir lediglich auf dem Weg zum Death Valley, obwohl wir natürlich einen kleinen Umweg machten, um den Strip entlangzufahren (hui, was es da für komische und lustige Gestalten gab…).

Aufgrund der Überflutungen vom August waren noch immer viele der Strassen im Death Valley unpassierbar oder gänzlich weggespült. Dennoch konnten wir einen Tag im Nationalpark verbringen und bestaunten die karge Landschaft, die Minenruinen, die bizarren Salzformationen im Devil’s Golf Course und den See im Badwater Basin, der ein extrem seltenes Phänomen sei.

Als wir hörten, dass es in einem Ausläufer des Death Valley Nationalparks den seltensten Fisch der Welt gebe, mussten wir diesen natürlich finden. So verbrachten wir einen Tag in Ash Meadows, fanden die drei Pupfish-Arten in den kleinen Oasengewässern und hatten wunderbare Gespräche mit den Mitarbeitenden im Visitor Center. Wer mich kennt, weiss, dass ich hier natürlich noch einige Infos zum Teufelskärpfling, wie die süssen, kleinen, blauen Fischlein auf Deutsch heissen, anfügen muss. Diese Fischart lebt nur in einem einzigen Wasserloch neben dem Death Valley. Das Loch ist zwar tief, aber die Fische überleben nur auf einem Felsvorsprung knapp unter der Wasseroberfläche. Das Wasser ist ungefähr 33°C warm und hat eine Sauerstoffsättigung von unter einem Prozent. Da die Fische nur ein Ei pro Saison legen und diese gerne auch noch selber fressen, gab es zwischenzeitlich nur noch 35 Individuen. Dank enormem Aufwand konnte die Spezies gerettet werden und wird seit mehreren Jahrzehnten von fleissigen Nationalparkmitarbeitenden am Aussterben gehindert.

Nach einem Zwischenhalt am Lake Mohave machten wir uns an eine Wüstenquerung, auf welche wir uns schon eine Weile gefreut hatten. Wir wollten die Mojave Road fahren. Da wir eine grobe Idee hatten, wo die Route durchführen könnte, aber einige Teile der Strassen weggespült worden waren, mussten wir mehrere Male umkehren und uns den Weg suchen. In der prächtigen Landschaft war dies allerdings keine Qual – nicht einmal, als wir unser Auto mit der Schaufel befreien mussten.

Kurz vor dem Ende der Strecke, nachdem wir einen Salzsee und viele weiche Sanddünen überquert hatten, konnten wir noch einen weiteren «Spooky Canyon» erkunden. In diesem waren Stirnlampen nötig und mithilfe von Kletterseilen kamen wir weit in die enge Schlucht hinein.

Nach einer längeren Wasserdurchfahrt begann unser Biest plötzlich seltsame Geräusche von sich zu geben, worauf wir in den National Forests in Kalifornien einen Campingplatz suchten. Dies erwies sich aber als sehr schwierig, da die üblichen Waldwege alle abgesperrt waren und allgemein weniger Strassen im Wald zu finden waren. Nach einer Nacht auf einem Parkplatz bei einem Aussichtspunkt verbrachten wir am nächsten Tag, nachdem wir unsere Weihnachtsgeschenke an uns selbst (Material zum Campen und Tauchen) gekauft hatten, fast vier Stunden (und ungefähr 80 Dollar in Diesel) damit, einen kostenlosen Campingplatz zu suchen. Als wir einen fanden, blieben wir gleich vier Nächte und verbrachten Weihnachten da. Als wir unser Festessen vorbereiteten, fanden wir allerdings das gute Stück Fleisch nicht, welches wir als Weihnachtsschmaus gekauft hatten, nicht. Nach längerem Suchen und Überlegen fanden wir heraus, dass es uns auf dem Supermarktparkplatz aus dem Einkaufswagen gestohlen worden sein musste. Na, frohe Weihnachten auch!
Am Weihnachtstag lernten wir Robert kennen, der in der Nähe von uns campierte, und verbrachten einige spannende und lustige Stunden mit ihm. Wer weiss, vielleicht können wir ihn später auf der Reise nochmals treffen?

Moab bis Page

Während wir darauf warten, dass unser Permit für den White Rim Trail gültig wird, versuchen wir uns an einigen anderen Tracks, wobei wir nicht alle fertigfahren können – manchmal liegt zu viel Schnee, manchmal habe ich zu viel Angst, manchmal ist die Fahrbahn einfach zu schräg. Aber einige Trails, unter anderem der Onion Creek Trail und der Picture Frame Arch Trail, sind in fahrbarem Zustand und bieten spektakuläre Kulissen…

Und dann, endlich, dürfen wir unser dreitägiges In-and-out-Abenteuer beginnen (einige Tage zuvor hatte ein Felssturz den letzten Fünftel der Strecke versperrt. Natürlich. Wie hätte es anders sein können. Aber ja…). Schon frühmorgens widmen wir uns den Schafer-Serpentinen…

… und geniessen dann die spektakuläre Landschaft, die in der Nebensaison von mehreren Herden Bighorn-Schafen bewohnt wird…

… sowie die spannende Piste! Wir lernen, dass gewisse Strecken wie Murphy’s Hogback und Hardscrabble Hill nicht ohne 4x4 gefahren werden sollten (besser noch in der Low Range, da die Steigung zum Teil über 30% beträgt, und das bei rutschigem Sand und Sandstein).

Während viele Besucher den White Crack bestaunen und es dort sogar einen Campingplatz gibt, fanden wir den weniger bekannten Black Crack, der unserer Einschätzung nach sowieso massiv lustiger war!

Nachdem wir den White Rim Trail beendet hatten und dabei täglich 3 weitere Fahrzeuge sahen, machten wir uns auf den Weg nach Süden, in der Hoffnung, wärmere Gefilde zu finden. Unterwegs besuchten wir den Long Dong Silver, der gut versteckt in der Mitte von einigen unscheinbaren Hügeln liegt, und machten wir einen Abstecher zu den Bentonite Hills, die mit ihren unglaublichen Farben wirken wie aus einem unrealistischen Film!

Durch sorgfältige Routenplanung fanden wir eine Landstrasse durch den Capitol Reef Nationalpark, die bei einer Fähre über den Lake Powell endete, die uns nahe zum Monument Valley bringen sollte. Nach einigen Stunden Fahrt entlang umwerfender Steilwände kamen wir in Bullfrog an, um dort zu erfahren, dass die Fähre wegen des tiefen Wasserpegels seit vier Jahren nicht mehr fahre. Immerhin konnten wir, bevor wir wieder den weiten Weg zurück antreten mussten, im Ort gratis heiss duschen! Und wir fuhren zusätzlich durchs Valley of the Gods, was ebenfalls ein wunderschöner Umweg war.

Als nächstes folgte ein halbtägiger Ausflug ins Monument Valley. Dies ist ein unbestritten beeindruckender Ort, der nur durch zwei Dinge etwas getrübt wird: Erstens darf man drin kaum wandern, und zweitens fehlen die durch die Lucky Luke-Comics versprochenen Kakteen im ganzen Tal!

In Page, der nächsten Stadt, nahmen wir uns einen halben Tag für Unterhaltsarbeiten – vor allem Ölwechsel für Motor und Vorderachse. Am nächsten Tag belohnten wir uns mit einer Führung im Lower Antelope Canyon. Einfach umwerfend!

Green River bis Moab

Da dank Thanksgiving ein verlängertes Wochenende anstand und wir keine weitere Hoffnung auf schnelle Lieferung hatten, fuhren wir zum Bryce Canyon, wo wir zum Teil anstehen mussten, um die tollen Felsformationen (genannt Hoodoo… ja... genau…) ansehen zu können.

_SMA3287.jpg
_SMA3217-HDR.jpg
_SMA3213.jpg

Nachdem wir in einem Umkreis von 2 Fahrtstunden keine Duschmöglichkeit gefunden hatten, genehmigten wir uns zwei extrem billige Übernachtungen in einem Motel in Kanab. Wir duschten ausgiebig, versuchten erneut stundenlang, FedEx zu erreichen und gingen in ein Steakhouse essen. Tags darauf feierten wir meinen Geburtstag vor, indem wir auf eine zweistündige Reittour gingen. Dabei sahen wir mehrere Rehe und Scherben von mehreren hundert Jahre alten Gefässen von Indianern. Da wir ja viel Zeit hatten, spazierten wir zum Red Hollow Slot Canyon und versuchten danach vergeblich, irgendwo essen zu gehen. Sogar die Tankstellenshops und Fastfood-Ketten hatten geschlossen!

Als nächstes führte uns unser Weg zum Zion Nationalpark, dessen Eingang völlig verschneit war. Dies war für die Scharen von Besuchern allerdings kein Hindernis, worauf sich alle durch den Regen die matschigen, rutschigen Wanderwege hinauf- und hinunterdrängten. Trotz des Regens konnten wir die Landschaft geniessen und manchmal kam sogar die Sonne hervor…

Schon seit langer Zeit wusste ich, dass ich die Slot Canyons Peek-a-boo und Spooky sehen wollte. Der Weg dorthin war eher grässlich. Die Wellblechpiste liess den armen 4Runner immer wieder seitwärts rutschen und rüttelte an allen Knochen, Gelenken und Schrauben. Jedoch war es das Leiden wert – die Canyons sind einfach umwerfend! Gut, ich konnte keinen Meter in den Peek-a-boo Canyon hineinklettern, dafür waren die kleinen Tritte in der fast vier Meter hohen Wand zu rutschig, aber Marc konnte sich ein wenig umsehen.

Da wir dann Spooky von der anderen Seite her angingen, kam ich einige hundert Meter hinein. Manchmal war es so eng, dass man nicht einmal den Kopf drehen konnte!

Um das Maximum aus dem Ausflug herauszuholen, verliessen wir das Gebiet durch den Dry Forks Narrows Canyon, in dem die Körperteile und Knochen vieler verschiedener Nager herumlagen.

Da Sebastian, dessen (Zweit-)Auto wir ja gerade fuhren, und der seinen VW-Bus aus Alaska zurück nach Salt Lake City fuhr, jeden Moment ankommen sollte, beschlossen wir etwas Zeit mit ihm zu verbringen. Wir trafen uns am Diamond Fork River und die Jungs verbrachten den ganzen Abend damit, Sebastians Standheizung zu untersuchen, die exakt an diesem Abend den Geist aufgab. Immerhin hatte sie Alaska überlebt… Am nächsten Morgen wanderten wir einige Meilen das Tal hinauf zu Hot Springs. Der Name war Programm. Sie waren sehr heiss! Und rochen stark nach faulen Eiern. Aber nun waren wir ja schon da und hatten alle sowieso eine Dusche nötig… Schlimmer riechen konnten wir ja kaum (dachten wir).

Wunderbar nach Schwefel riechend genehmigten wir uns ein fantastisches Steak in der Stadt und trafen einige Freunde von Sebastian, die uns sogleich zum Abendessen einluden und uns in ihrer Einfahrt übernachten liessen. So konnten wir in der Stadt bleiben und nicht je über eine Stunde hin- und zurückfahren, da wir am nächsten Morgen so tolle Dinge wie Wäsche waschen und einkaufen zu tun hatten. Mit Sebastians Grosszügigkeit ging es weiter, als er uns in seinem Hotelzimmer duschen liess und wir sogar die Nacht dort verbringen durften, nachdem wir unser geliebtes Biest, das nun geflickt war, erst spätabends abholen konnten. Marc fuhr Sebastian zur Arbeit und wir konnten unsere Sachen so bei Tage und Temperaturen über dem Gefrierpunkt von einem Auto ins andere räumen.

Überaus begeistert, unser Zuhause wieder bei uns zu haben, fuhren wir bis in die Dunkelheit (wir hatten nun ja einen grossartigen Lightbar), sodass wir bei Tagesanbruch gleich in der Region Moab mit Offroadfahren beginnen konnten. Unsere erste Route führte uns durch einen verschneiten Canyon, vorbei an einem Geisterdorf und über prächtige Klippen.

Da wir schneller waren als geplant, wollten wir gleich noch einen weiteren Trail anhängen, brachen aber auf dem Weg dorthin ab, als der Boden dank des Niederschlags der letzten Tage zu zähem, klebrigem Matsch wurde.

Salt Lake City bis Green River

Nachdem wir erfahren, dass das bestellte Getriebe doppelt verkauft wurde und wir es doch nicht erhalten werden, bestellten wir ein verstärktes Getriebe aus Australien. Gemäss Verkäufer sollte es in fünf Werktagen geliefert werden. Hach, wie naiv wir waren! Wir mieteten einen Jeep Grand Cherokee (da konnten wir drin schlafen, zumindest wenn der Wagen die ganze Nacht lief und heizte) und fuhren zum Arches National Park. Dort verbrachten wir zwei Tage und genossen die fantastischen Felsformationen und das tagsüber warme Wetter.

_SMA2827.jpg
_SMA2916.jpg
_SMA2636.jpg
_SMA2955-HDR.jpg
_SMA2595.jpg
_SMA2669.jpg

Eine Nacht verbrachten wir mit BluOnTour, die wir damals in Nova Scotia getroffen hatten, und Travely, auf die wir natürlich sehr eifersüchtig waren, da ihr Land Cruiser einsatzbereit und offroad-tauglich war. Wir wurden auf ein grosszügiges, leckeres BBQ-Abendessen eingeladen und genossen die Gesellschaft.

Am nächsten Tag besuchten wir Canyonlands National Park und bestaunten die unwirklich wirkende Landschaft. Es schien, als hätte jemand zu viel Zeit in Photoshop verbracht, nur, dass wir keinen Bildschirm, sondern einfach eine tolle Aussicht vor uns hatten!

20231111_111155.jpg
20231111_122427.jpg

Langsam machten wir uns auf den Weg zurück nach Salt Lake City, da wir den Mietwagen zurückgeben mussten. Leider hatten wir noch kein Update, wo unser bestelltes Getriebe war, daher suchten wir bereits nach Alternativen, da wir nicht für über eine Woche ein Hotel nehmen wollten und die Mietwagen auch etwas über unserem Budget lagen… Und da kam unser Retter ins Spiel! Sebastian hatten wir in Alaska kennengelernt, wo er in seinem VW-Bus herumreiste und sehr coole Videos machte. Er hatte seine Homebase in Salt Lake City und kam zufälligerweise da vorbei, bevor er gleich wieder nach Alaska flog, um seinen Bus nach Süden zu fahren. Er brachte uns seinen Toyota 4Runner, den er gemäss eigenen Angaben erst im März wieder brauchen würde (wobei wir natürlich schwer hofften, dass wir unser Biest vorher wieder übernehmen könnten). Danke, Sebastian! Es war sehr schön, mit ihm den Abend zu verbringen und über Gott, die Welt und Autos zu quatschen.

Mit Sebastians 4Runner machten wir uns dann auch gleich auf den Weg zurück nach Canyonlands, wo wir den Shafer Trail und die Potash Road fuhren (dies war mit dem Mietwagen leider nicht erlaubt gewesen). Die Aussichten waren einfach umwerfend!

Wir besuchten auch den Delicate Arch in Arches National Park nochmals, doch diesmal wanderten wir am späten Nachmittag hin, um einige Nachtaufnahmen zu machen. Und auf dem Rückweg (wir waren die letzten Besucher, die um 8pm, 3 Stunden nach Sonnenuntergang, noch da waren), erwischten wir sogar einen Luchs beim Trinken!

Weiter fuhren wir am nächsten Tag entlang einer von vielen Offroad-Strecken, die die wunderbaren Canyon-Landschaften durchqueren und tolle Aussichtspunkte zugänglich machen, nach Deadman Point. In dieser Nacht sahen wir zwischen den Gewitterwolken einen Kometen (oder ein Ufo, je nachdem, was man glauben will)!
Um etwas näher bei Salt Lake City zu sein – nur für den Fall, dass ein Wunder passieren und das Getriebe endlich geliefert werden würde – fuhren wir an den Green River, entlang welchem es viele hübsche Campspots hat, die wir aus vollen Zügen genossen. Zum Zeitpunkt dieses Eintrags hatten wir noch keine Information, wann wir wieder in unser Zuhause zurückziehen konnten. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt! In den letzten zwei Wochen ist das Paket immerhin von Australien über China nach Japan gereist… Irgendwann wird es hoffentlich den Weg nach Salt Lake City finden!

Pocatello bis Salt Lake City

Da unser Getriebe plötzlich sehr seltsame Geräusche machte, suchten wir in Pocatello einen Autodoktor auf, der sich spontan Zeit nahm für und mit uns einen Getriebeölwechsel vornahm. Dabei erklärte er uns auch gleich alles, damit wir es beim nächsten Mal selber machen könnten – wie freundlich! Leider sah das Getriebeöl sehr metallisch aus, was nicht sehr vielversprechend war. Uns wurde geraten, das Getriebe untersuchen zu lassen, sollten sich die Geräusche nicht bessern.

Zuversichtlich fuhren wir nach Salt Lake City, wo wir natürlich einen Besuch im Land Cruiser Heritage Museum machen mussten. Dies war eindrücklich: So viele verschieden alte und unterschiedlich ausgebaute Toyota Land Cruiser hatten wir nicht erwartet – da war vom Leichenwagen über Löschfahrzeuge bis zu antarktischen Expeditionsfahrzeugen alles dabei! Nur unser Modell, beziehungsweise allgemein die HZJ-Serie, war nicht vertreten.

Vielleicht wollte das Biest gleich bei seinen Artgenossen bleiben, vielleicht waren die Vorbesitzer zu grob mit ihm umgegangen… Leider wurden die Geräusche aus dem Getriebe nicht besser und der vierte Gang beschloss am nächsten Tag, nicht mehr zu funktionieren. Nun durften wir erfahren, wie schwer es ist, Service für ein dem nordamerikanischen Kontinent fremdes Fahrzeug zu erhalten. Wir wurden von einer Garage zur nächsten geschickt: Die einen arbeiteten nicht mit 4x4-Fahrzeugen, andere kannten sich nicht mit Toyotas aus, der nächste hatte niemanden, der ein handgeschaltetes Fahrzeug flicken kann… Bis wir dann eine Garage fanden, die sogar innerhalb einer halben Stunde ein neues Getriebe bestellen konnte! Dieses musste allerdings erst geliefert werden, daher hatten wir etwas mehr Zeit in der Region…

Antelope Island befindet sich im Great Salt Lake und beherbergt Gabelhornantilopen, Bisons, Kojoten und viele weitere Tiere. Wir hatten das Glück, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, sodass wir die jährliche Bisonzählung beobachten konnten. Dabei werden fast alle Bisons zusammengetrieben (ausser den alten Bullen, da dies zu gefährlich wäre) und untersucht. Gleichzeitig wird entschieden, welche Bisons verkauft werden. Die Insel kann eine Herde von 500 Tieren unterhalten, doch ohne natürliche Feinde vermehren sich die Bisons sehr schnell (90% der Weibchen sind jedes Jahr schwanger). Deshalb werden jährlich bis zu 300 versteigert. Die Untersuche waren eindrücklich zu beobachten! Zu gerne hätten wir auch die Kaninchenkäuze beobachtet, doch diese waren schon in den Süden abgeflogen…

In der Bear River Range (ein wunderschönes kleines Tal ohne jeglichen Mobilempfang) planten wir zwei Nächte zu verbringen (es wurden mehr, doch das kommt später), um den Light Bar, den wir von Dave und Pamela geschenkt bekommen hatten, zu montieren. Marc schaffte dies ganz alleine in der Wildnis (nein, es hatte keinen Empfang, er brauchte keine Youtube-Anleitungen), während ich ihm, so gut ich konnte, half.

Mit dem Ziel, wieder das eigene Abendessen zu fangen, verbrachten wir einen Tag fischend am Logan River. Die Fische dort sind sich allerdings Haken so gewöhnt, dass sie nicht darauf reinfielen, sogar als der Köder einmal quer über sie drüber gezogen wurde…

Als wir abends einen neuen Übernachtungsplatz suchen wollten, spürten und hörten wir plötzlich einen kleinen Knall und danach tönte das Getriebe noch viel schlimmer, sogar im Leergang… Also rollten wir vorsichtig zurück auf «unseren» Platz und beschlossen, am Montag irgendwie einen Abschleppdienst kommen zu lassen. Dies bedeutete, dass wir einen ganzen Tag Zeit für uns hatten. Auch mal schön… Marc erklomm am frühen Nachmittag einen der kleinen Berge um unseren Campingplatz, um möglicherweise etwas Handyempfang zu finden – leider ohne Erfolg. Unterdessen traf ich David, der mit seinem grossartigen FJ-40 Land Cruiser bei uns hielt und etwas mit mir plauderte.

Als Marc schon wieder zurück war und wir planten, wie wir am nächsten Morgen in die nächste Stadt trampen würden, kam David zurück und fuhr Marc nach Logan. Die Versicherung wollte aber nichts von einem geplanten Abschleppen wissen, sodass sie unverrichteter Dinge zurückkommen mussten. Zu unserer Überraschung nahm sich David die Zeit, Marc am nächsten Morgen nochmals zu chauffieren, sodass wir unser Biest tatsächlich zur Werkstatt abschleppen lassen konnten.

Während das Getriebe geliefert und ersetzt wurde, verbrachten wir etwas Zeit in einem Hotel in Downtown Salt Lake City, besichtigten die Stadt, genossen dort die warme Dusche und schnitten Marc erneut die Haare – diesmal ohne Nagelschere!

Vernon bis Pocatello

Die Einreise in die USA verlief reibungslos und wir bestaunten die karge Landschaft im Norden von Washington State, die wir viel eher in Arizona vermutet hätten. Gerade noch waren wir doch durch Regenwald gefahren… Aber schon bald veränderte sich die Landschaft wieder zurück.

Die nächsten vier Tage verbrachten wir mit meinem Cousin, der uns die Waldstrassen in der Region der Northern Cascades zeigte. Wir genossen wunderschöne Fahrten, atemberaubende Landschaften, spannende Wanderungen (die auch mal via umgestürzte Bäume über einen Fluss führen konnten), leckeres Essen und viele Gespräche, ob am Lagerfeuer oder einfach am Strassenrand.

Da es uns so gut gefallen hatte, beschlossen wir, so weiterzufahren. Daher fuhren wir weiterhin abgelegene Waldstrassen in Richtung Südosten. Zufällig lernten wir am Dworshak Reservoir Chris kennen, der in der Region am Jagen und Fischen war. Er lud uns mit auf sein Boot ein und wir konnten tatsächlich unser eigenes Abendessen fischen (wobei ich Marc das Töten und Ausnehmen überliess)! Wir konnten uns etwas revanchieren, indem wir seinen Pickup mit unserer Winde aus tiefem Matsch zogen. Da dies auch ohne mich ging, half ich unterdessen einem anderen Paar und ihrem Kollegen, einen kaputten Jeep auf einen Abschleppanhänger zu laden. Es war fast schon gemein, wie viel Freude wir daran hatten!

Auf der Weiterreise wurde es dann immer kälter und es fiel auch Schnee. In einer Nacht wurde es unter -15°C! Zum Glück funktionierte die Standheizung zuverlässig… Um uns etwas aufzuwärmen, machten wir eine kleine Wanderung zu warmen Quellen, die noch fast natürlich geblieben irgendwo im Wald lagen. Dabei trafen wir auf Will, der uns – einfach so – Steak und Hackfleisch von einem selbst geschossenen und zerlegten Elk (nein, das ist ein Hirsch und kein Elch) schenkte! Wie grossartig sind die Leute hier bitte?!

Wir machten einen kleinen Umweg, um die Craters of the Moon zu bestaunen, was sich sehr lohnte! Obwohl zum Fledermausschutz viele der Lavahöhlen geschlossen waren, konnten wir einige davon erkunden, was eine eindrückliche Erfahrung war. Wie jung doch so 2000 Jahre alte Lava wirkt…

bottom of page